Herzlich willkommen!

Online-Gottesdienst am Sonntag Judika

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns zusammen am morgigen Sonntag Judika einen Online-Gottesdienst feiern. Am besten um 10 Uhr, nach dem Glockenläuten. Wenn auch nicht zusammen, dann wenigstens alle gemeinsam! Nehmen Sie eine Bibel und ein Gesangbuch zur Hand und lassen Sie uns zusammen auf Gottes Wort hören, singen und beten.

h_epd_00433697Ab Sonntag 9 Uhr finden Sie hier einen Vorschlag für den Ablauf des Gottesdienstes (auch zum Herunterladen und Ausdrucken) sowie ein Video mit Pfr'in Andrea Ehrhardt und Frau Erdmann an der Orgel.


Kirchengemeinde in Corona-Zeiten

Ich stehe unter Gottes Schutz, ich weiß das seit geraumer Zeit.
Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen und machte mich fröhlich.
Und ich will hingehen, alle anzustecken mit Freude und Freundlichkeit,
auf dass die Erde Heimat wird für alle Welt:

Durch seinen Frieden und unseren Glauben.
Shalom in Dorf und Stadt.

Psalm 62

Corona +++ Die KiTa "Arche" ist zunächst bis 17. April geschlossen, falls Sie eine Notbetreuung benötigen wenden Sie sich bitte an die bekannte Telefonnummer 02681 / 70371. +++

+++ Auch sämtliche anderen Angebote der Kirchengemeinde (Konfirmandenunterricht, Jugendzentrum KOMPA, Bücherei, Tafel, Mehrgenerationenhaus, Gymnastik, Chor, Posaunenchor, Bibelstunden, Frauenhilfe, Freitagsrunde, Kirchenmäuse usw.) sind geschlossen. +++

+++ Die für den 26. April vorgesehene Konfirmation sowie die am 17. Mai geplante Segensfeier für die KonfiKids müssen verschoben werden. +++

+++ Die Durchführung von Gottesdiensten wurde behördlich verboten. Auch bittet uns die EKiR, die Kirchen nicht mehr zum stillen Gebet zu öffnen. Wir trauern um die Möglichkeit, uns zu sehen und mit dem Nächsten und Gott ins Gespräch zu kommen. +++

+++ Aber: Das Gemeindebüro, die Pfarrerinnen und Pfarrer, Presbyterinnen und Presbyter sind weiterhin für Sie da. Bitte rufen Sie uns an! +++

+++ Das Mehrgenerationenhaus "Mittendrin" hat ein „Kontakt-Telefon“ eingerichtet. Es ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 11 Uhr unter 02681/950 438 zu erreichen. Wer außerhalb dieser Zeiten anruft wird zurückgerufen. +++

Altenkirchen hilft

Die Stadt Altenkirchen möchte in Kooperation mit der katholischen Kirche Altenkirchen und der Caritas Menschen helfen, die im Notfall nicht über ihre Nachbarschaft unterstützt werden können. Auch einige Mitglieder unserer Kirchengemeinde haben sich schon bereit erklärt, dabei mitzumachen.

Hierzu wird derzeit ein HelferNetzwerk aufgebaut, durch welches Hilfe bei Einkauf und Alltag organisiert werden soll oder Auskunft über wichtige Kontaktadressen gegeben werden kann. Auch für jene, die aktuell auf die Öffentlichkeit verzichten möchten, hat das HelferNetzwerk ein offenes Ohr bei aktuellen Problemen.

Wer Hilfe benötigt oder im HelferNetzwerk mitarbeiten will kann sich Mo. – Fr. von 9 bis 17 Uhr gerne unter Tel: 02681- 5267 oder E-Mail: nachbarschaft@altenkirchen.de melden.

AK hilft

Was will Gott uns damit sagen?...

...wurde ich gestern von einem Gemeindeglied gefragt. - „Ich weiß es nicht“ sagte ich.

Derzeit sagen uns Regierung, Virologen, die Landeskirche, was wir tun und lassen sollen. Alle reden ganz viel. Was will uns Gott sagen? „FlattenTheCurve“ (halt die Kurve flach) oder „StayTheF...atHome“ (bleib verdammt nochmal zu Hause) - so lautet das Motto in den sozialen Netzwerken. Das Virus ist hoch infektiös, „Corona“ allgegenwärtig und es will in unsere Atemwege und uns krank machen. Darum: So paradox es klingt, im Dienst der Nächstenliebe sollten wir so viel wie möglich auf Distanz zu unseren Mitmenschen gehen.

IMG_0266aVersammeln ist also nicht gut.

Aber heißt es nicht in der Bibel: „Betet ohne Unterlass“ (Paulus), sagt Martin Luther nicht: Das ganze Leben soll ein Gottesdienst sein? Gottesdienste verbieten - Kirchentüren zuschließen - ist das Gottes Wille??

Manchmal vielleicht doch:

Jesus Christus spricht: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Himmel, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten (Mt. 6,6f). Beten, singen, in der Bibel lesen und über Gottes Wort nachdenken - man braucht dazu nicht unbedingt in die Kirche zu gehen. Es geht auch im „stillen Kämmerlein“, im Wohnzimmer, in der Küche, sogar in der Badewanne und unter der Dusche (das Singen zumindest).

Vom heiligen Antonius heißt es, dass er als Eremit in die Wüste ging und dort Gott erfahren hat. Nun sind wir eher keine Heiligen, die in der Wüste ein Eremitendasein führen wollten, aber eine Chance, Gott einmal für sich/in der Familie, also ganz privat zu erleben, wäre es vielleicht doch, oder?

Ob es Gottes Wille ist, ob uns Gott das damit sagen will, weiß ich nicht. Aber ein Versuch ist es wert, finde ich. Darum lade ich ein, am Sonntag zur Gottesdienstzeit einmal sich als Einzelperson oder als Familie daheim zu versammeln und eine Andacht zu halten. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, sagt Jesus Christus (Mt. 18,20).

Und in dem einen Punkt bin ich ganz sicher: Irgendwann im Sommer oder im Herbst werden wir alles, alles, alles nachholen. Wenn es heißt: der Herr ist auferstanden“ und die versammelte (!) Gemeinde antworten wird:

Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ihre Pfarrerin Andrea Ehrhardt

Die KonfiKids sind da!

Samstag früh, kurz vor neun. Das Theodor-Maas-Haus ist vorbereitet. Die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitenden, darunter viele Jugendliche, und die beiden Pfarrerinnen haben Stühle aufgestellt, Bastelutensilien bereitgelegt, das Klavier aufgeklappt und ihre Namens-Buttons angesteckt. Dann strömen 31 Kinder herein und sehen sich neugierig um. Unsere KonfiKids sind da!

IMG_0339Als wir uns zum ersten Mal in diesem riesigen Stuhlkreis gegenüber sitzen, sind alle gleichermaßen gespannt und aufgeregt. Bei der liturgischen Begrüßung wird die große Kerze angezündet, auf der die Namen aller Kinder und Teamer stehen. Jedes Kind bekommt sein Begleitheft, in dem sich Lieder, Gebete und Bilder zu den verschiedenen Themen finden. Dabei merken wir schnell, dass die Kinder sehr gerne singen. Klasse!

Pausen mit viel Bewegung, Kleingruppen und kreative Phasen wechseln sich ab. Jede Gruppe hat ihren festen Raum und ihre Bezugspersonen. Biblische Geschichten werden erzählt und durch Gespräch, Bildbetrachtung, Schreiben, Malen und Basteln vertieft. Sich, die anderen und Gott kennenzulernen, etwas über Taufe und Abendmahl zu hören und die Bedeutung der wichtigsten christlichen Feste zu erkennen, steht im Mittelpunkt der thematischen Arbeit. Der liturgische Abschluss bringt noch einmal alle zusammen und dann ist der Vormittag auch schon wieder vorbei...

Wie es begann

Schon vor drei Jahren haben wir begonnen, uns mit fachkundiger Begleitung daran zu machen, den Konfi-Unterricht neu zu denken. Lange haben wir überlegt, wie die Konfi-Zeit heute aussehen müsste und viel Arbeit in die theoretischen Grundlagen und die methodische Ausgestaltung gesteckt. Heraus kam das sog. 3/8-Modell, was bedeutet, dass die eine Hälfte des kirchlichen Heranführens von Kindern und Jugendlichen an christliche Glaubensinhalte in der Gemeinde schon in der dritten Klasse und die andere dann später, wie bisher auch, in der achten Klasse erfolgt. Warum?

38 leerer Raum

Kinder zwischen 8 und 10 Jahren sind begeisterungsfähig, neugierig, gerne aktiv und offen für Neues. Sie werden frühzeitiger in die Gemeinde eingebunden, willkommen geheißen und partnerschaftlich anerkannt. Sie erfahren: „Ich bin gewollt, ich bin genau richtig, so wie ich bin; ich habe meinen Platz in der Gemeinschaft und werde gebraucht“.

Im Oktober 2019 ist die erste Gruppe mit 31 Kindern nach dem neuen Konzept gestartet.

Und so funktioniert es

WhatsApp Image 2019-12-04 at 19Wir treffen uns zwischen Herbst und Frühjahr einmal im Monat samstags von 9 bis 12.30 Uhr. Es gibt vielfältige Angebote und Zugänge: Gemeinsames Essen und Singen, Zuhören und Gestalten. Lernen findet spielerisch statt. Am Ende gibt es einen feierlichen Gottesdienst mit Segnung und Urkunde. Bis die Kinder zum zweiten Teil wiederkommen, gibt es jedes Jahr einen Tag zum sich Treffen und Wiedersehen, auch da steht jedes Mal ein Thema (wie Erntedank oder die Taufe) im Vordergrund.

In der zweiten Phase nach fünf Jahren können dann, ähnlich wie im „herkömmlichen“ Konfirmandenunterricht, aber schon mit den Begleitenden und PfarrerInnen bekannt und vertraut, Glaubensfragen vertiefend besprochen und vor allem auch die Konfirmation vorbereitet werden.

Was bringt's?

Durch diese Entzerrung der KonfirmandInnenzeit begegnen wir als Kirche den Konfis mehrmals: einmal im Grundschulalter und später in der Jugend. So entsteht ein längerer Raum für Vertrauensbildung mit den MitarbeiterInnen und zur Begleitung der Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien. Weitere gemeindliche Angebote wie das KOMPA oder der Kinderchor werden ganz selbstverständlich mit eingebunden.

So gehen wir alle zusammen einen neuen, mutigen Weg zur Konfirmation. Denn Gemeinde wächst wie Gras: Immer von unten nach oben!

Team KonfiKids

417723a9-6351-4bc7-8efb-7ae031a51b6b

Anmerkung zur aktuellen Situation: Am Sonntag, den 17. Mai hätte eigentlich der feierliche Abschlussgottesdienst mit Segnung der ersten KonfiKids stattfinden sollen. Dieses Datum steht gerade sehr in Frage. Wir benachrichtigen Sie, sobald wir selbst mehr wissen!

Gedenken an den März 1945

Dieser Tage gedenken wir der Zerstörung Altenkirchens durch amerikanische Bombenangriffe vor 75 Jahren. Da die hierzu geplante ökumenische Gedenkfeier am 25. März ausfallen muss, dokumentieren wir hier die Predigt von Pfr. Werner Zeidler vom 15. März zu diesem Thema.

Seit Kriegsanfang 1939 war in Europa unermessliches Leid durch uns Deutsche über Millionen unschuldiger Menschen - Kinder, Frauen, Alte und Hilflose - gebracht worden. Und millionenfach ist das Geschehen auf uns Deutsche zurückgeschlagen. Unvorstellbares Leid hat fast alle deutschen Familien getroffen. Auch in Altenkirchen.

Die Älteren erinnern sich noch an die tragischen Ereignisse der letzten Kriegstage im Westerwald: Am 7. März 1945 war den amerikanischen Streitkräften die Eisenbahnbrücke von Remagen unversehrt in die Hände gefallen. Schon am nächsten Tag, dem 8. März, wurde Altenkirchen erstmals aus der Luft bombardiert. Weitere Luftangriffe erfolgten am 10., 17. und 25. März. Die Stadt sank in Schutt und Asche. Mit ihr die beiden großen Kirchen. Am 17. die katholische und am 25. März endgültig auch ihre ev. Schwesterkirche. Einen Tag später befreiten die US-amerikanischen Truppen die kleine Kreisstadt Altenkirchen von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Das Standesamt beurkundete als Folge der Fliegerangriffe 193 Sterbefälle. 71 Einheimische und 122 Auswärtige. Mit einer hohen Dunkelziffer muss aber gerechnet werden, weil in der Stadt viele Auswärtige - Militär und auch schon Flüchtlinge aus dem Osten - untergebracht worden waren. Die Toten der vergangenen Kriege sind eine Mahnung an uns alle, Frieden zu machen. Wir haben Gottes Zusage, dass dies möglich ist.

Pfarrer ZeidlerLiebe Gemeinde!

Wir Menschen verstehen und schätzen meist etwas erst dann, wenn wir es verloren haben. Das merken wir jetzt durch die Einschränkungen, die uns der Corona-Virus auferlegt, sehr eindrücklich. So ist es auch mit der Gesundheit, mit der Arbeit, einem Glücksbringer und ähnlichem. So ist es ebenso mit dem Frieden. In vielen Wohnungen hängen noch die Fotos der Männer und Söhne in Uniform an der Wand. Jung sind sie darauf geblieben - doch den Angehörigen blieb von der Liebe, die sie einmal miteinander verband, oft nur ein vergilbtes Bild übrig. Der Krieg zerstörte viele Familien. Dabei starben nicht nur Soldaten fern der Heimat.

Nach den Großstädten erreichte der Schrecken des Krieges auch Altenkirchen. Im März 1945 saßen die Menschen gefangen in den Kellern ihrer Häuser, als die tödliche Fracht der Bombengeschwader über sie hereinbrach. Viele haben dabei Angehörige und Freunde verloren. Das hat das Leben der Menschen verändert. Damals versank auch der materielle Besitz vieler, wofür Generationen in der Familie gearbeitet hatten – Häuser, Geschäfte, Existenzen - in Schutt und Asche. Als dann - nur sechs Wochen später - der Kriegslärm verstummte, hatte der totale NS-Staat über den totalen Krieg die totale Katastrophe heraufgeführt: An die 80 Millionen Menschen waren schließlich untergegangen; davon hatte die Sowjetunion allein 27 Millionen verloren. Dazu - ohne Beispiel in der Geschichte - die Ausrottung der Juden durch Hitlers Schergen: sechs Millionen wurden ermordet. Aber es war noch nicht das Ende: zig Millionen zogen in die Gefangenschaft; davon gingen viele elend zugrunde, irgendwo verscharrt - namenlos. Weitere Millionen wurden vertrieben; verloren Heimat, Hab und Gut.

Und heute, liebe Gemeinde? - Die Toten wurden begraben; die meisten Wunden sind vernarbt - doch manche bluten immer noch. Wir haben unsere Stadt wieder aufgebaut - größer, schöner (naja, ich weiß nicht so recht?), und wir planen immer weiter. Als bei den Bauarbeiten zur Tiefgarage vor unserer Christuskirche eine Bombe zum Vorschein kam, war das für die meisten ein Spektakel; wohl kaum jemand empfand diesen makaberen Fund als mahnende Erinnerung an die bitteren Märztage von '45.

In den letzten 75 Jahren ist unser Land vor einem neuen Krieg verschont geblieben; wie oft aber stand diese glückliche Situation auf des Messers Schneide? Denken wir an den kalten Krieg, die Berlin-Blockade, die Kubakrise, die versehentliche Meldung vom Start amerikanischer Atomraketen, die ein sowjetischer Flugüberwachungsoffizier gerade noch rückgängig machen konnte... Und so vieles mehr, was wir gar nicht wissen oder wissen sollen. Wir haben also heute allen Grund, dem guten Gott von Herzen dankbar zu sein.

Weltweit erleben wir täglich über die Medien die uns so bekannten Grausamkeiten. Im Kongo finden um die Ausbeutung der Bodenschätze immer noch fürchterliche Massaker statt. Assad bombardiert in Syrien gnadenlos die eigene Bevölkerung, Krankenhäuser und Schulen, die Menschen wissen nicht wohin; Türmen sich an den Grenzen der EU, suchen verzweifelt ein Schlupfloch um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen, ähnlich strandeten die Juden auf der Flucht vor den Nazis an der Grenze zur Schweiz. Afghanistan blutet im jahrzehntelangen Bürgerkrieg aus.

„Wie schrecklich“, sagen wir da und denken im Stillen, „Gott sei Dank, dass das nicht bei uns passiert“, und sind froh, dass Frieden ist. - Ist denn wirklich Frieden bei uns? Doch Frieden ist mehr als „Nicht-Krieg“. Wie gelingt er? Der Kirchenvater Augustinus umschreibt Friede als „Ruhe in der Ordnung“: Je mehr das Streben nach Glück, das Verlangen nach Liebe und der Hunger nach Leben in gemeinsamem Bemühen gestillt werden kann, desto mehr breitet sich der Friede unter den Menschen aus. - Was tragen wir Deutschen dazu bei?

Nun, Waffenlieferungen an Saudi-Arabien oder die Türkei gehören da sicherlich nicht dazu! Auch nicht die tumben Parolen der AfD. Hier kann ich noch nicht einmal mehr sagen: Wehret den Anfängen! Denn sie sind schon überall mitten drin. Da sitzen - 75 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges – abermals rechtsradikale Personen in den Parlamenten, die Deutschland wieder braun bekleckern und Hass verbreiten. Lernen wir Menschen denn gar nichts aus der Vergangenheit? Ein „Fliegenschiss der Geschichte“ ist der bestialische Völkermord an Abermillionen Menschen gewiss nicht!

An einem Tag wie heute sollten unsere Gedanken daher zu all jenen Völkern gehen, die zur Stunde unter dem Elend eines Krieges leiden: Libyen, Sudan, Somalia, Jemen, Syrien, um nur einige zu nennen. All den Vertriebenen, Geschundenen und zum Spielball der Mächtigen Gewordenen gehört unsere christliche Fürsorge. Dazu hat uns Jesus ohne wenn und aber beauftragt. Ihnen sollen die „Bitte der Kinder“ gelten, die Berthold Brecht einst aufgeschrieben hat:

„Die Häuser sollen nicht brennen,
Bomber sollt man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein.
Leben soll kein Straf sein.
Die Mütter sollen nicht weinen.
Keiner sollt müssen töten einen.
Alle sollen was bauen.
Da kann man allen trauen.
Die Jungen sollen's erreichen.
Die Alten desgleichen“.

Dafür einzustehen, das sind wir Deutschen der Welt und Gott gegenüber schuldig!

Die Felsenkirche in Kairo

Das Bild auf der Titelseite unseres Gemeindebriefs zeigt eine Felswand der koptischen Felsenkirche in Kairo. Die Kopten bilden die größte christliche Gemeinschaft im nahen Osten. Besonders in Ägypten gibt es eine große Gemeinschaft der Kopten.

he is not hereTouristen finden nur selten den Weg zu dieser sehr beeindruckenden Kirche, da sie am Rande des Müllviertels in Kairo liegt. Um zu ihr zu gelangen, muss man das Viertel durchqueren. Hier wird der Müll Kairos von Kopten gesammelt und getrennt.

„Bis zu zwei Meter hohe Reliefs mit den Darstellungen von Heiligen und biblischen Motiven sind über die weiß bis hell-rötlich schimmernden Felsen verteilt. Weiter hinten ist ein mehrere Meter breiter Eingang zu sehen. Er führt in eine riesige Kirche, die hier in den Kalkstein gehauen wurde. Abschüssig auf den Altarraum zulaufend, sind in Halbkreisen Bänke aufgestellt. Die Szenerie erinnert an ein griechisches Amphitheater. Bis zu 15.000 Menschen kann die Höhlenkirche aufnehmen. Links und rechts vor dem Altarraum gibt es kleine Säulengänge, geschmückt mit Kreuzen und Ikonen. In einem Glaskasten werden Reliquien des Schutzheiligen aufbewahrt.

Für die Gläubigen ist dies ein heiliger Wallfahrtsort. Der Legende nach hat der Heilige Samaàn das Christentum in Ägypten vor dem Untergang bewahrt. Durch ein Wunder habe er den Berg gespalten und den arabischen Eroberern damit die Kraft des christlichen Glaubens vor Augen geführt.“ (Achim Beinsen, 2007: Zwischen Müll und Mystik. Christliche Kopten in Ägypten)

Diana Wendt

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

So lautet der erste Artikel unseres Grundgesetzes. Er besitzt eine „Ewigkeitsgarantie“, das heißt, er kann nicht geändert werden, solange das Grundgesetz gilt.


Die Würde des Menschen ist die strahlende Idee der Aufklärung. Sie vermag den Hass und die Dummheit zu überwinden. Sie ist lebensfreundlich, weil sie von unserer Endlichkeit weiß, und erst durch sie werden wir in einem tiefen und wahren Sinn zu Menschen. Die Würde ist aber kein Teil des Menschen wie ein Arm oder ein Bein. Sie ist nur eine Idee. Sie ist zerbrechlich, und wir müssen sie schützen.

Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin wurden im Jahr 2017 in der deutschen Hauptstadt 947 antisemitische Vorfälle erfasst, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Hass ist die furchtbarste, die einfältigste und die gefährlichste Haltung zur Welt. Es wird derzeit wieder schlimmer. Schon längst sind derartige Straftaten keine Randerscheinungen mehr. Aber was sollen wir tun? Erich Kästner schrieb: „Die Vergangenheit muss reden, und wir müssen zuhören. Vorher werden wir und sie keine Ruhe finden.“

Das stimmt. Wir müssen verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Und was wir wieder verlieren können. Wir gaben uns selbst Gesetze. Wir erschufen eine Ethik, die nicht den Stärkeren bevorzugt, sondern den Schwächeren schützt. Das ist es, was uns biblisch menschlich macht: die Achtung vor unserem Nebenmenschen.

Vor 2550 Jahren hat der Perserkönig Kyros die Sklaven befreit. Er erklärte zum ersten Mal, alle Menschen dürften ihre Religion frei wählen, sie seien trotz unterschiedlicher Herkunft gleich zu behandeln. Kyros' Gesetze stehen in den ersten vier Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wenn wir heute Minderheiten nicht schützen, ganz gleich, ob es Juden, Migranten, Asylbewerber, Homosexuelle oder andere sind, fallen wir wieder zurück ins Dumpfe und Dunkle.

Die englische Magna Carta, die amerikanische Bill of Rights, die französische Declaration des Droits de l'Homme et du Citoyen und die heutigen Verfassungen der freien Welt – das sind unsere Siege über uns selbst. Auch wenn wir die größte Abneigung haben, uns mit den heutigen populistischen Rohheiten à la Trump und AfD zu befassen, es bleibt uns nichts anderes übrig. Nur wir selbst können uns der Barbarei, dem Speien und Wüten der menschenverachtenden Hassprediger entgegenstellen und somit die Friedensbotschaft Jesu in die Welt bringen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Pfr. A. Werner Zeidler